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DJI Mavic Mini

Die von mir bisher genutzten Multikopter sind Eigenkonstruktionen auf Basis von Komponenten der Firma HiSystems (Mikrokopter.de) und haben die Aufgabe, größere Kameras für möglichst gute Bildergebnisse zu transportieren. Da von mir Wert auf Redundanz und Sicherheit gelegt wird, sind diese Multikopter groß und schwer, die Flugzeiten erreichen um die 10 Minuten. Daraus entstand der Wunsch zum Bau bzw. zur Anschaffung einer kleinen Drohne, die es ermöglicht, schnell und unkompliziert an einer interessanten Stelle aufzusteigen, um zu überprüfen, ob sich der Aufstieg mit einer großen Drohne überhaupt lohnt.

Als Ende 2019 DJI die kleine Consumerdrohne "Mavic Mini" vorstellte, erfüllte sich für mich der Wunsch nach einer solchen "Immer-dabei"-Drohne. Für den bezahlbaren Preis von 399 EUR (499 EUR für die Fly More Combo mit 2 zusätzlichen Akkus und einem Propellerschutz) erhält man eine kleine Drohne, die sogar unter die 250g-Grenze fällt (wenn nichts zusätzlich angebaut wird) und somit aktuell keine Kennzeichnung, Registrierung oder einen Fähigkeitsnachweis erfordert. Trotzdem muss natürlich eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen sein und der Pilot muss über die entsprechenden Kenntnisse der Vorgaben durch die Luftverkehrszulassungsordnung (LuftVZO) und der Luftverkehrsordnung (LuftVO) verfügen. Weiterhin sind zusätzlich die bundeslandspezifischen Bedingungen für eine Aufstiegsgenehmigung zu beachten.

Im Folgenden fasse ich meine eigenen Erfahrungen mit dieser Minidrohne besonders im luftbildarchäologischen Einsatz zusammen.

Vorteile

  • Größe: Die geringen Maße der Mavic Mini, vor allem im zusammengeklappten Zustand, sind einfach genial. So kann man sie immer dabei haben, sie findet im jeden Rucksack Platz und das geringe Gewicht spielt auch bei längeren Fusswegen keine Rolle.
  • Flugzeit: Die von DJI angegebene maximale Flugzeit von 30 Minuten ist sehr optimistisch, aber mehr als 20 Minuten kann man mit einer Akkuladung auf jeden Fall in der Luft bleiben. Das ermöglicht entweder längere Inspektionsflüge oder den mehrfachen Aufstieg an verschiedenen Orten.
  • Akkus: Die kleinen Akkus sind schnell gewechselt und lassen sich über USB in der Drohne oder über die in der Fly More Combo mitgelieferte Ladestation laden. Damit lassen sich entladene Akkus unterwegs auch im Auto oder über eine mitgeführte Powerbank wieder aufladen. Das Gleiche gilt für die Fernsteuerung. Wegen der kleinen Größe der Akkus kann man diese auch bequem in der Hosentasche tragen, so dass sie auch im Winter immer die richtige Betriebstemperatur haben.
  • Kamera: Die Kamera macht Fotos mit einer Auflösung von 12 MP (4000 x 3000 Pixel) und wird durch ein extrem gut reagierendes 3-Achs-Gimbal ruhig in Position gehalten. Die Kamera kann um bis zu 90° nach unten geschwenkt werden, so dass Senkrechtaufnahmen kein Problem sind. Durch den von Actionkameras bekannten Weitwinkel (entspricht ungefähr 24mm) und einem Sichtfeld von 83° lassen sich auch größere Objekte (komplette Viereckschanzen oder villae rusticae) auf ein Senkrechtfoto bannen. Erstaunt war ich über die gute Korrektur der Weitwinkelverzerrungen.
  • Senkrechtaufnahme eines bronzezeitlichen Gräberfeldes aus einer Höhe von 92m
    Abb. 1: Senkrechtaufnahme eines bronzezeitlichen Gräberfeldes aus einer Höhe von 92m. Das Objektiv der DJI Mavic Mini erfasst eine Fläche von ca. 120m x 90m.
  • Propellerschutz: Als Zubehör ist ein leichter Kunststoffkäfig zum Schutz der Propeller erhältlich. Dieser verhindert eine Beschädigung der Propeller und einen Absturz der Drohne bei Wandkontakt (z.B. bei Flügen innerhalb von Räumen) oder unabsichtlichen Berührungen von Hindernissen. Diesen Propellerschutz nutze ich z.B. bei Flügen über im Wald gelegenen Bodendenkmälern. Er erhöht das Gesamtgewicht der Drohne kaum, führt aber dazu, dass die Drohne mehr als 250g wiegt und nun eine feuerfeste Plakette aufweisen muss.

Nachteile

  • Größe: Die kleine Größe der Mavic Mini hat auch Nachteile. So ist sie schon in 100m Entfernung mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, so dass auch die Ausrichtung der Drohne am Himmel sehr schwer auszumachen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sie eine hellgraue Farbe hat und sie sich damit vom Himmel nur schlecht abhebt.
  • Gewicht: Das geringe Gewicht macht die Mavic Mini besonders anfällig für Wind. Sie reagiert sehr schnell auf windbedingte Positionsveränderungen und hält die Position sehr stabil. Jedoch meldet sich bei stärkeren Brisen die eingebaute Sicherheitsfunktion und mahnt zur Landung.
  • Funkübertragung: Für die Steuerung und die Livebildübertragung setzt DJI bei dieser Drohne eine modifiziertes WLAN-Signal ein. Dies kann besonders in Nähe von Ansiedlungen durch andere WLAN-Signale gestört werden, so dass die Reichweite der Funkübertragung stark abnimmt oder auch ganz abbricht. Auch muss man auf die optimale Ausrichtung der beiden Antennen achten, besonders wenn man direkt über dem Steuerer fliegt.
  • Kontrollbildschirm: Als Kontrollbildschirm dient ein Smartphone, das in eine spezielle Halterung an der Fernbedienung eingeklemmt wird. Da damit das Smartphone in der Ausrichtung an die Fernbedienung gekoppelt ist, zeigt der Bildschirm zumeist nach oben, so dass sich der helle Himmel darauf spiegelt und Details im Livebild oft schwer zu erkennen sind. Auch helle Bekleidung führt zu unschönen Spiegelungen.
  • Kamera: Die vor allem für Videoaufnahmen vorgesehene Kamera kann man natürlich nicht mit einer auf Digitalfotos spezialisierten Kamera vergleichen. Negativ ist mir die Empfindlichkeit bei Gegenlicht und Probleme bei starken Helligkeitsunterschieden aufgefallen.
  • Bodenfreiheit: Die Mavic Mini hat kein Landegestell, sondern setzt mit dem Gehäuse direkt auf dem Boden auf. Damit sind Starts und Landungen im Gelände schwierig, da eine ebene Fläche meist nicht vorhanden ist. Der Start von einem Feldweg, o.ä. vom Boden aus ist nahezu unmöglich, da immer Pflanzen in den Bereich der Propeller hineinragen. Weiterhin ist die Mavic Mini recht ungeschützt gegen Staub und Feuchtigkeit, da bei der Entwicklung dieser Drohne auf Gewichtsreduzierung geachtet wurde und so ein dichtes Gehäuse nicht vorhanden ist. Abhilfe kann das Nutzen einer kleine Landeplattform schaffen, die jedoch zusätzlich mitgeführt werden muss. Eine andere, von mir genutzte Alternative ist der Start und die Landung auf der ausgestreckten Hand, so dass kein Bodenkontakt nötig ist. Bei dieser Methode muss man aber darauf achten, das empfindliche Kameragimbel nicht zu beschädigen.

Zusammenfassend lässt sich nach einer tollen Luftbildsaison 2020 und 7 Monaten Einsatz im Gelände sagen, dass die DJI Mavic Mini für mich zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel geworden ist. Wegen der oben beschriebenen Nachteile wird sie aber bei mir nicht ausschließlich für jeden Zweck genutzt. Wenn bessere Kameraqualitäten, größere Windresistenz oder Sonderaufgaben (z.B. IR-Fotografie) gefragt sind, kommen weiterhin die bisher genutzten Multikopter zum Einsatz.